Astronomie der Woche: Venus in Bestform – der „Abendstern“ strahlt besonders auffällig

Nach Sonnenuntergang lohnt sich in diesen Tagen ein Blick an den westlichen Himmel. Dort steht die Venus außergewöhnlich günstig: Am 14./15. August 2026 erreichte sie ihre größte östliche Elongation – also ihren größten Winkelabstand von der Sonne am Abendhimmel. Auch jetzt, am 16. August, bleibt sie ein besonders auffälliges Beobachtungsziel. 

Was bedeutet „größte Elongation“?

Venus kreist innerhalb der Erdbahn um die Sonne. Deshalb kann sie von uns aus gesehen niemals mitten in der Nacht weit entfernt von der Sonne stehen. Stattdessen erscheint sie entweder morgens vor Sonnenaufgang oder abends nach Sonnenuntergang.

Als Elongation bezeichnet man den Winkelabstand eines Planeten von der Sonne am Himmel. Bei der größten östlichen Elongation erreicht Venus ihren maximalen Abstand östlich der Sonne und bleibt deshalb nach Sonnenuntergang vergleichsweise lange sichtbar. Genau diese Stellung wurde am 14./15. August erreicht. 

Warum ist Venus so unglaublich hell?

Venus ist nach Sonne und Mond eines der auffälligsten natürlichen Objekte unseres Himmels. Ihre dichte Wolkendecke reflektiert einen großen Teil des einfallenden Sonnenlichts.

Das führt manchmal sogar zu einem kleinen Überraschungseffekt: Wer Venus noch nie bewusst beobachtet hat, hält den hellen, ruhig leuchtenden Punkt gelegentlich für ein Flugzeug oder eine andere Lichtquelle.

Mit bloßem Auge bleibt Venus allerdings nur ein Lichtpunkt. Interessanter wird es bereits mit einem kleinen Teleskop. Dann erkennt man, dass Venus – ähnlich wie unser Mond – Phasen besitzt.

Das war wissenschaftlich einmal enorm wichtig: Galileo Galilei beobachtete im frühen 17. Jahrhundert die Phasen der Venus. Sie lieferten einen wichtigen Hinweis darauf, dass Venus die Sonne umkreist.

🌙 Ein kleines Sonnensystem-Experiment für zu Hause

Wer Venus in den kommenden Wochen regelmäßig durch ein Teleskop betrachtet, kann selbst nachvollziehen, wie sich unser Sonnensystem bewegt.

Die scheinbare Größe und Phase der Venus verändern sich. Während sie sich auf ihrer Bahn relativ zur Erde bewegt, sehen wir unterschiedlich große Teile ihrer beleuchteten Hemisphäre.

Damit wird aus einem einfachen hellen Punkt am Himmel eine kleine Demonstration der Himmelsmechanik.

🔭 Beobachtungstipp für Brachwitz

Nach Sonnenuntergang sollte der Blick zunächst nach Westen gehen. Venus ist so hell, dass man sie bereits in der Abenddämmerung entdecken kann. Ein möglichst freier westlicher Horizont hilft dabei.

Das Schöne daran: Für diese Beobachtung braucht man zunächst keinerlei Ausrüstung.

Mit einem Fernglas lässt sich Venus leichter in der Dämmerung finden. Ein kleines Teleskop zeigt schließlich ihre Phase.

Dabei gilt unbedingt: Solange die Sonne noch über dem Horizont steht, niemals mit Fernglas oder Teleskop in ihre Nähe schauen.

🪐 Und Venus ist nicht allein

Der August 2026 bietet insgesamt ungewöhnlich viel für Himmelsbeobachter. Erst vor wenigen Tagen erlebten wir die totale beziehungsweise in Deutschland partielle Sonnenfinsternis vom 12. August und gleichzeitig die Perseiden. 

Venus bildet nun einen schönen Übergang zu den nächsten Beobachtungsnächten. Wer nach Sonnenuntergang beginnt und später noch einmal nach draußen geht, kann sich Schritt für Schritt durch den Sommerhimmel bewegen.

💡 Wissen der Woche: Warum heißt Venus „Abendstern“?

Venus ist natürlich kein Stern.

Die Bezeichnungen „Morgenstern“ und „Abendstern“ stammen aus einer Zeit, in der Menschen den auffällig hellen Lichtpunkt am Morgen beziehungsweise Abend beschrieben.

Tatsächlich handelt es sich in beiden Fällen um denselben Planeten. Je nachdem, auf welcher Seite der Sonne Venus von der Erde aus erscheint, wird sie zum Morgen- oder Abendstern.

Und genau deshalb ist sie momentan besonders schön zu beobachten: Der Abendstern steht nahezu so weit von der Sonne entfernt, wie es ihm aus unserer Perspektive überhaupt möglich ist.

Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen. 🌌