Astronomie der Woche: Das Sommerdreieck – der Wegweiser durch den Augusthimmel

Nach Sonnenuntergang dauert es inzwischen wieder merklich weniger lange, bis der Sternenhimmel richtig zur Geltung kommt. Für den Einstieg in die Himmelsbeobachtung gibt es Ende August ein besonders schönes Ziel: das Sommerdreieck. Es besteht aus den drei auffälligen Sternen Wega, Deneb und Altair und steht an Augustabenden hoch am Himmel.

⭐ Drei Sterne, die eigentlich gar nicht zusammengehören

Das Sommerdreieck ist kein eigenes Sternbild. Es ist ein sogenannter Asterismus – ein auffälliges Sternmuster, das aus Teilen verschiedener Sternbilder besteht.

Wega gehört zur Leier, Deneb zum Schwan und Altair zum Adler. Von der Erde aus bilden die drei ein riesiges Dreieck. Räumlich liegen sie jedoch in völlig unterschiedlichen Entfernungen.

Wega befindet sich nur rund 25 Lichtjahre von uns entfernt, Altair etwa 17 Lichtjahre. Deneb dagegen ist weit über 2.000 Lichtjahre entfernt. Dass die drei am Himmel trotzdem ähnlich auffällig erscheinen, zeigt, wie gewaltig leuchtkräftig Deneb tatsächlich sein muss.

🌌 Mitten hindurch zieht die Milchstraße

Besonders interessant wird das Sommerdreieck an einem dunklen Beobachtungsort. Durch seine Mitte zieht sich das helle Band unserer Milchstraße.

Wer den Himmel einige Minuten ohne störendes Licht betrachtet, kann das milchige Band erkennen. Ein Fernglas verwandelt diesen scheinbaren Schleier plötzlich in ein dichtes Sternenmeer.

Damit wird das Sommerdreieck gleichzeitig zu einer hervorragenden Orientierungshilfe: Wer Wega, Deneb und Altair gefunden hat, besitzt einen Wegweiser zu zahlreichen interessanten Objekten des Sommerhimmels.

🔭 Besonders spannend rund um Deneb

Im Sternbild Schwan befindet sich eine der reichsten Regionen unserer Milchstraße. Hier liegen Sternhaufen und große Gasnebel.

Zu den bekanntesten gehört der Nordamerikanebel (NGC 7000). Seinen Namen erhielt er wegen seiner Form, die auf lang belichteten Fotografien tatsächlich an den nordamerikanischen Kontinent erinnert.

Für das bloße Auge ist er schwierig. Fotografisch und unter dunklem Himmel wird die Region dagegen ausgesprochen reizvoll.

Auch der Doppelstern Albireo am Kopf des Schwans ist ein schönes Teleskopziel. Seine beiden Komponenten zeigen einen auffälligen Farbkontrast.

👀 So findest du das Sommerdreieck

Am Abend musst du zunächst nicht einmal wissen, wo die einzelnen Sternbilder liegen. Schau nach Einbruch der Dunkelheit weit nach oben.

Wega ist einer der hellsten Sterne des Sommerhimmels und meist schnell gefunden. Von dort lässt sich das große Dreieck zu Deneb und Altair vervollständigen.

Für die Beobachtung braucht man kein Teleskop. Das bloße Auge genügt. Ein Fernglas lohnt sich anschließend für eine Reise entlang der Milchstraße.

Aktuell sind außerdem die äußeren Planeten wieder interessant: Saturn ist in Deutschland bereits einen großen Teil der Nacht gut sichtbar, und auch der wesentlich lichtschwächere Neptun bietet Ende August günstige Beobachtungsbedingungen. Für Neptun ist allerdings mindestens ein Fernglas, besser ein Teleskop erforderlich. 

💡 Wissen der Woche: Wir sehen gleichzeitig Gegenwart und Vergangenheit

Beim Blick auf das Sommerdreieck schauen wir nicht auf drei Sterne „zur selben Zeit“.

Das Licht von Altair benötigt ungefähr 17 Jahre bis zu uns, das von Wega rund 25 Jahre – bei Deneb sehen wir dagegen Licht, das bereits vor weit mehr als zwei Jahrtausenden ausgesandt wurde.

Der Nachthimmel ist deshalb immer auch eine Zeitmaschine.

Wenn wir zu Deneb schauen, sehen wir den Stern nicht so, wie er heute ist, sondern so, wie er vor vielen Jahrhunderten aussah.

🌠 Tipp der Sternwarte Brachwitz

Für einen schönen Sommerabend braucht es diesmal keine komplizierte Ausrüstung: einen dunklen Platz suchen, das Smartphone weglegen und den Augen etwa 20 Minuten geben, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Dann Wega, Deneb und Altair suchen und anschließend das milchige Band zwischen ihnen verfolgen.

Gerade in einer klaren Augustnacht ist das eine der einfachsten Möglichkeiten, bewusst zu erkennen, dass wir mitten in einer Galaxie stehen.

Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen. 🔭