Astronomie der Woche: Uranus startet seine Oppositionsschleife – auf der Suche nach dem fernen Eisriesen

Diese Woche widmen wir uns einem Planeten, der meist im Schatten seiner berühmteren Nachbarn steht: Uranus. Am 10. September 2026 hat Uranus seine scheinbare Bewegung vor dem Sternenhintergrund umgekehrt und damit seine Oppositionsschleife begonnen. Das macht die kommenden Wochen besonders interessant, denn Uranus wird immer früher sichtbar und steuert auf seine Opposition zu.

Aktuell steht der Planet im Sternbild Stier, und zwar in einer ausgesprochen schönen Himmelsregion zwischen den beiden bekannten offenen Sternhaufen Plejaden und Hyaden. Mitte September ist Uranus mit etwa 5,7 mag bereits den größten Teil der Nacht sichtbar. 

🔄 Was ist eigentlich eine Oppositionsschleife?

Normalerweise bewegen sich die äußeren Planeten langsam vor dem Hintergrund der Sterne nach Osten. Wenn die schnellere Erde auf ihrer inneren Bahn einen äußeren Planeten überholt, scheint sich dessen Bewegungsrichtung für einige Wochen umzukehren.

Uranus läuft natürlich nicht wirklich rückwärts.

Der Effekt entsteht ausschließlich durch die unterschiedlichen Bewegungen von Erde und Uranus um die Sonne. Vergleichbar ist das mit zwei Autos auf der Autobahn: Überholt man auf der schnelleren Spur ein langsameres Fahrzeug, scheint dieses für einen Moment nach hinten zu wandern.

Am 10. September erreichte Uranus den scheinbaren Stillstand und bewegt sich nun rückläufig. 

🔵 Eine Welt, die auf der Seite liegt

Uranus ist rund viermal so groß wie die Erde und gehört gemeinsam mit Neptun zu den Eisriesen unseres Sonnensystems.

Seine vielleicht erstaunlichste Eigenschaft ist jedoch seine Rotationsachse. Sie ist um etwa 98 Grad gegenüber seiner Umlaufbahn gekippt.

Vereinfacht gesagt: Uranus rollt beinahe auf seiner Seite um die Sonne.

Dadurch entstehen extreme Jahreszeiten. Ein Uranusjahr dauert rund 84 Erdjahre, sodass eine Jahreszeit dort ungefähr 21 Jahre dauern kann.

💍 Auch Uranus besitzt Ringe

Bei Ringen denken wir fast automatisch an Saturn. Doch auch Uranus besitzt ein Ringsystem.

Die Ringe wurden erst 1977 entdeckt, als Astronomen beobachteten, wie Uranus vor einem Stern vorbeizog. Kurz vor und nach der eigentlichen Bedeckung wurde das Sternlicht mehrfach schwächer – ein deutlicher Hinweis auf Ringe.

Moderne Aufnahmen, unter anderem mit dem James Webb Space Telescope, zeigen das Ringsystem inzwischen eindrucksvoll.

👀 Kann man Uranus mit bloßem Auge sehen?

Theoretisch gerade eben – praktisch ist ein Fernglas deutlich sinnvoller.

Mit etwa 5,7 mag liegt Uranus momentan nahe an der Wahrnehmungsgrenze des menschlichen Auges. Dunkler Himmel, sehr gute Augen und die exakte Kenntnis seiner Position wären erforderlich.

Ein Fernglas macht die Suche wesentlich einfacher. Darin erscheint Uranus zunächst lediglich wie ein schwacher Stern.

Im Teleskop zeigt sich bei höherer Vergrößerung schließlich ein winziges, leicht blaugrünliches Scheibchen.

🌌 So findest du Uranus im September

Die aktuelle Position ist für die Orientierung ausgesprochen interessant: Uranus befindet sich im „Goldenen Tor der Ekliptik“ zwischen den Plejaden und Hyaden.

Als grobe Suchhilfe kann man sich eine Linie zwischen dem rötlichen Aldebaran und dem Stern Atlas am Rand der Plejaden vorstellen. Uranus befindet sich ungefähr auf halber Strecke. Für die eindeutige Identifikation sollte trotzdem eine aktuelle Sternkarte oder Planetariums-App verwendet werden. 

Im Laufe des Septembers verbessern sich die Bedingungen weiter: Sein Aufgang verschiebt sich von etwa 22:57 Uhr am 1. September auf rund 21:03 Uhr am Monatsende. Dann erreicht Uranus am frühen Morgen eine Höhe von etwa 61 Grad. 

🚀 Nur einmal aus der Nähe besucht

Bis heute hat lediglich Voyager 2 Uranus aus nächster Nähe untersucht.

Am 24. Januar 1986 flog die Raumsonde am Planeten vorbei und lieferte die ersten Nahaufnahmen dieser fremdartigen Welt.

Seitdem gab es keinen weiteren Besuch.

Das bedeutet: Bei Uranus schauen wir noch immer auf einen Planeten, über den wir im Vergleich zu Mars, Jupiter oder Saturn erstaunlich wenig wissen.

💡 Wissen der Woche: Ein Tag auf Uranus ist kürzer als auf der Erde

Trotz seiner enormen Größe dreht sich Uranus erstaunlich schnell.

Eine Rotation dauert nur ungefähr 17 Stunden.

Ein Mensch könnte dort also – wenn es eine feste Oberfläche gäbe – innerhalb eines unserer Erdentage mehr als einen kompletten Uranustag erleben.

🌠 Beobachtungstipp der Sternwarte Brachwitz

Für die kommenden Wochen bietet sich ein kleines Beobachtungsprojekt an: Uranus zunächst mit einer Sternkarte aufsuchen und seine Position anschließend alle ein bis zwei Wochen notieren oder fotografieren.

So lässt sich die Oppositionsschleife selbst nachvollziehen.

Das ist Himmelsmechanik, die man mit einfachen Mitteln unmittelbar beobachten kann – und zugleich die Gelegenheit, einen Planeten zu sehen, der fast drei Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt seine Bahn zieht.

Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen. 🌌🔭

Zur Illustration: Die oben erzeugte Grafik zur „Planetentour des Mondes“ gehört noch zum Thema der vergangenen Woche. Für diese Ausgabe sollte die 16:9-Illustration Uranus zwischen Plejaden und Hyaden, seine gekippte Rotationsachse und die beginnende Oppositionsschleife zeigen.