
Auf dem Saturn ist etwas Außergewöhnliches entdeckt worden: Über seinem Südpol zeichnet sich eine riesige, zehnseitige Wolkenstruktur ab. Das sogenannte Dekagon wurde Anfang September 2026 als neues atmosphärisches Phänomen vorgestellt. Es erinnert unmittelbar an Saturns berühmtes Sechseck am Nordpol – besitzt aber zehn statt sechs Seiten.
🪐 Ein Zehneck aus Wolken
Ein geometrisches Muster in einer Planetenatmosphäre klingt zunächst fast künstlich. Tatsächlich können Strömungen in einer schnell rotierenden Atmosphäre jedoch erstaunlich regelmäßige Formen hervorbringen.
Beim neuen Saturn-Dekagon handelt es sich nicht um eine feste Struktur. Vielmehr zeichnet ein gewaltiger Jetstream eine zehnseitige Form um den Südpol.
Erste schwache Hinweise darauf fanden Wissenschaftler bereits in Hubble-Aufnahmen von 2023. Im Jahr 2024 wurde eine wellenförmige Struktur deutlicher, und auf Aufnahmen vom August und September 2025 war schließlich ein ausgeprägtes Zehneck zu erkennen. Die wissenschaftliche Auswertung wurde im September 2026 veröffentlicht.
🔷 Der Nordpol besitzt schon lange ein Sechseck
Das macht die Entdeckung besonders spannend, denn am anderen Ende Saturns kennen wir schon seit Jahrzehnten ein ähnliches Phänomen.
Am Nordpol befindet sich ein riesiges Hexagon, also eine sechsseitige Strömungsstruktur. Sie wurde bereits auf Aufnahmen der Voyager-Sonden entdeckt und später von Cassini detailliert untersucht.
Nun haben wir also:
Nordpol → sechs Seiten
Südpol → zehn Seiten
Warum die beiden Pole unterschiedliche geometrische Muster ausbilden, ist eine spannende Frage für die Atmosphärenforschung.
🌪️ Wie kann eine Atmosphäre Ecken bekommen?
Saturn dreht sich ausgesprochen schnell. Ein Tag dauert dort nur ungefähr 10½ Stunden, obwohl der Planet einen Durchmesser von rund 120.000 Kilometern besitzt.
Diese schnelle Rotation erzeugt starke atmosphärische Strömungen.
Wenn unterschiedlich schnelle Luftströmungen nebeneinander verlaufen, können sich sogenannte planetare Wellen ausbilden. Unter bestimmten Bedingungen stabilisiert sich eine solche Welle zu einem regelmäßigen Muster.
Das Entscheidende dabei: Die Luft fliegt nicht an zehn festen Ecken vorbei. Die gesamte Strömung bildet eine Welle, deren Verlauf von oben betrachtet wie ein Zehneck aussieht.
🛰️ Warum entdecken wir das erst jetzt?
Saturn benötigt rund 29½ Jahre für einen Umlauf um die Sonne. Seine Achse ist zudem geneigt.
Dadurch verändern sich die Beleuchtungsverhältnisse seiner Pole über viele Jahre hinweg. Manche Strukturen werden erst sichtbar, wenn ein Pol ausreichend von der Sonne beleuchtet wird.
Regelmäßige Beobachtungen mit dem Hubble Space Telescope ermöglichen es, solche langfristigen Veränderungen zu verfolgen. Genau dabei fiel die Entwicklung des südlichen Zehnecks auf.
🔭 Saturn ist gerade selbst ein hervorragendes Beobachtungsziel
Die Entdeckung kommt zu einem besonders passenden Zeitpunkt. Saturn nähert sich seiner Opposition am 4. Oktober 2026. Dann steht die Erde zwischen Sonne und Saturn. Der Ringplanet ist dadurch die ganze Nacht sichtbar und erreicht seine größte Helligkeit des Jahres.
Schon jetzt im September sind die Bedingungen sehr gut.
Mit bloßem Auge erkennt man Saturn als auffällig ruhigen, gelblichen Lichtpunkt. Bereits ein kleines Teleskop zeigt sein Ringsystem.
Das neu entdeckte Zehneck selbst ist für Amateurteleskope allerdings viel zu fein, um direkt erkannt zu werden.
💡 Wissen der Woche: Saturn ist mehr als seine Ringe
Seine Ringe machen Saturn unverwechselbar, doch atmosphärisch gehört er ebenfalls zu den faszinierendsten Welten unseres Sonnensystems.
Auf dem Planeten gibt es gewaltige Stürme, extrem schnelle Winde und nun sogar zwei unterschiedliche polygonale Strömungssysteme an seinen Polen.
Besonders interessant ist, dass das südliche Dekagon offenbar nicht schon immer in seiner heutigen Form vorhanden war. Die Beobachtungsreihe seit 2023 deutet darauf hin, dass Astronomen seine Entstehung beziehungsweise deutliche Ausbildung tatsächlich verfolgen konnten.
🌠 Tipp der Sternwarte Brachwitz
In den nächsten beiden Wochen lohnt sich Saturn besonders. Seine Opposition findet am 4. Oktober statt. Dann geht er ungefähr bei Sonnenuntergang auf, steht um Mitternacht besonders günstig und verschwindet erst gegen Sonnenaufgang wieder.
Wer ein Teleskop besitzt, sollte sich ruhig Zeit nehmen: Zuerst die Ringe betrachten und anschließend versuchen, den hellsten Saturnmond Titan zu finden.
Und dabei kann man sich bewusst machen, dass auf dem winzigen Planetenscheibchen vor unseren Augen gerade eine Atmosphäre arbeitet, die am einen Pol ein Sechseck und am anderen ein Zehneck hervorbringt.
Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen. 🌌🔭

