
In dieser Woche lohnt sich der Blick nach oben besonders: Vom 6. bis 10. Oktober 2026 sind die Draconiden aktiv. Ihr vorausberechnetes Maximum fällt auf die Nacht vom 8. auf den 9. Oktober, genauer auf etwa 03:00 Uhr MESZ am 9. Oktober. Für uns ist aber bereits der Abend des 8. Oktober interessant – denn die Draconiden unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt von vielen anderen Meteorströmen: Man muss für sie nicht bis tief in die Nacht wach bleiben.
🐉 Warum heißen sie Draconiden?
Verlängert man die Flugbahnen der Sternschnuppen gedanklich rückwärts, scheinen sie aus dem Sternbild Drache (Draco) zu kommen. Dieser Punkt wird als Radiant bezeichnet.
Anfang Oktober befindet sich der Radiant am Abend hoch am nordwestlichen Himmel, in der Gegend der beiden Sterne Eltanin und Rastaban, den sogenannten „Augen des Drachen“. Genau deshalb sind die Draconiden ein ungewöhnlicher Meteorstrom: Der Radiant steht bereits am Abend günstig.
Man sollte übrigens nicht direkt auf den Radianten schauen. Die schönsten und längsten Meteorspuren sieht man meist einige Dutzend Grad davon entfernt.
☄️ Woher kommen die Sternschnuppen?
Der Ursprung der Draconiden ist der Komet 21P/Giacobini-Zinner.
Auf seinem Weg um die Sonne verliert der Komet Staub und kleine Gesteinspartikel. Dadurch entsteht entlang seiner Bahn eine lang gezogene Teilchenspur. Anfang Oktober kreuzt die Erde diese Region.
Treffen solche winzigen Teilchen mit hoher Geschwindigkeit auf unsere Atmosphäre, erhitzen sie die Luft entlang ihrer Flugbahn. Wir sehen für einen kurzen Augenblick eine leuchtende Spur – eine Sternschnuppe.
Bei den Draconiden treffen die Teilchen mit ungefähr 20 Kilometern pro Sekunde auf die Atmosphäre. Für Meteore ist das vergleichsweise langsam. Deshalb wirken Draconiden häufig gemächlicher als beispielsweise Perseiden.
🌠 Wie viele Sternschnuppen sind zu erwarten?
Hier werden die Draconiden besonders spannend – und unberechenbar.
In einem normalen Jahr sollte man keinen spektakulären Sternschnuppenregen erwarten. Unter einem wirklich dunklen Himmel könnten 2026 ungefähr bis zu zehn Meteore pro Stunde sichtbar sein.
Aber dieser Strom hat eine Vergangenheit voller Überraschungen.
In den Jahren 1933 und 1946 entwickelten sich die Draconiden zu regelrechten Meteorstürmen mit sehr hohen Raten. Auch später gab es unerwartete Aktivitätsschübe.
Genau deshalb beobachten Astronomen den Strom jedes Jahr aufmerksam.
Der Mutterkomet 21P/Giacobini-Zinner durchlief erst im März 2025 seinen sonnennächsten Bahnpunkt. Ob sich das 2026 in erhöhter Meteoraktivität bemerkbar macht, lässt sich nicht sicher vorhersagen.
🌑 2026 sind die Bedingungen ausgezeichnet
Diesmal hilft uns der Mond.
Am 10. Oktober ist Neumond. Während des Draconiden-Maximums steht deshalb lediglich eine sehr schmale abnehmende Mondsichel am Morgenhimmel. Sie stört die Beobachtung am Abend praktisch nicht.
Damit bekommen wir einen richtig dunklen Himmel – vorausgesetzt natürlich, das Wetter spielt mit.
👀 So beobachtest du die Draconiden
Ein Teleskop braucht man ausdrücklich nicht. Es würde das Blickfeld sogar viel zu stark einschränken.
Am besten sucht man sich am Donnerstagabend, 8. Oktober, einen möglichst dunklen Platz mit freiem Himmel. Dann sollte man den Augen etwa 20 Minuten Zeit geben, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
Anschließend heißt es: bequem hinsetzen oder hinlegen und einen möglichst großen Teil des Himmels beobachten.
Smartphone-Displays und Taschenlampen möglichst vermeiden – jedes helle Licht verschlechtert die Dunkeladaption wieder.
💡 Wissen der Woche: Die Sternschnuppen kommen nicht aus dem Sternbild
Der Name kann täuschen.
Die Meteore entstehen selbstverständlich nicht bei den Sternen des Drachen. Diese Sterne befinden sich viele Lichtjahre entfernt.
Die Staubteilchen des Kometen verglühen dagegen nur ungefähr 100 Kilometer über unseren Köpfen.
Dass alle Spuren scheinbar aus demselben Punkt des Sternbildes kommen, ist ein reiner Perspektiveffekt – ähnlich wie Eisenbahnschienen, die in der Ferne zusammenzulaufen scheinen.
🔭 Tipp der Sternwarte Brachwitz
Für diese Woche würde ich mir den Abend des 8. Oktober 2026 vormerken. Anders als bei den Perseiden muss man nicht erst bis nach Mitternacht warten: Die Draconiden sind gerade am Abend besonders interessant. Das Maximum wird für den frühen Morgen des 9. Oktober vorausberechnet, und die fast mondlose Nacht bietet sehr gute Voraussetzungen.
Erwartet keinen Dauerregen aus Sternschnuppen. Vielleicht bleibt es bei einigen wenigen.
Aber genau das macht die Draconiden reizvoll: Niemand weiß ganz genau, ob der Drache in diesem Jahr ruhig bleibt.
Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen. 🌌🔭

