Ausgabe vom 11. Oktober 2026 | Sternwarte Brachwitz

Wenn wir in diesen Oktoberabenden zum Sternenhimmel schauen, können wir etwas Außergewöhnliches entdecken: eine ganze Galaxie außerhalb unserer Milchstraße – und das sogar ohne Teleskop!
Die Rede ist von der Andromedagalaxie (Messier 31). Sie ist rund 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und gehört zu den faszinierendsten Objekten des Herbsthimmels. Unter guten Bedingungen erscheint sie bereits mit bloßem Auge als schwacher, nebliger Fleck.
Das Besondere daran: Wir sehen Andromeda nicht so, wie sie heute aussieht, sondern so, wie sie vor 2,5 Millionen Jahren ausgesehen hat.
🌌 Unsere große Nachbargalaxie
Die Andromedagalaxie ist eine gewaltige Spiralgalaxie und gehört wie unsere Milchstraße zur sogenannten Lokalen Gruppe. Das ist eine Ansammlung von mehr als 50 Galaxien, die durch ihre gegenseitige Schwerkraft miteinander verbunden sind.
Andromeda besitzt einen Durchmesser von ungefähr 200.000 Lichtjahren und enthält vermutlich mehrere Hundert Milliarden bis etwa eine Billion Sterne.
Damit gehört sie zu den größten Galaxien unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft.
Auf Fotografien erkennt man einen hellen Kern, ausgedehnte Spiralarme und dunkle Staubbänder. In diesen Spiralarmen entstehen auch heute noch neue Sterne.
Besonders interessant: Die Andromedagalaxie besitzt selbst mehrere Begleitgalaxien. Zwei davon, M32 und M110, lassen sich bereits mit kleineren Teleskopen beobachten.
🔭 Warum ist der Oktober ideal für die Beobachtung?
Im Herbst steht Andromeda am Abendhimmel besonders günstig. Von Mitteldeutschland aus erreicht sie eine große Höhe über dem Horizont.
Das ist wichtig, denn je höher ein Himmelsobjekt steht, desto weniger störende Atmosphäre muss sein Licht durchqueren.
Außerdem liegt der Neumond am 10. Oktober 2026. In den Nächten um dieses Datum stört deshalb kaum Mondlicht.
Gerade für die Beobachtung schwacher Galaxien ist das ein großer Vorteil.
Wer in Brachwitz oder im Saalekreis einen möglichst dunklen Beobachtungsplatz findet, hat bei klarem Himmel gute Chancen, Andromeda sogar ohne optische Hilfsmittel zu erkennen.
⭐ So findest du die Andromedagalaxie
Die Suche beginnt am besten mit zwei auffälligen Sternmustern: dem Sternbild Kassiopeia und dem großen Pegasusquadrat.
Kassiopeia erkennt man an ihrer charakteristischen W-Form. Das Pegasusquadrat besteht aus vier auffälligen Sternen und bildet einen großen Orientierungspunkt des Herbsthimmels.
Vom Pegasusquadrat führt eine Sternenkette in das Sternbild Andromeda. Über den Stern Mirach und den darüberliegenden Stern Mu Andromedae gelangt man in die Nähe der Galaxie.

Orientierung am Herbsthimmel: Kassiopeia und das Pegasusquadrat helfen beim Auffinden der Andromedagalaxie. Für die genaue Position empfiehlt sich eine aktuelle Sternkarte.
Mit bloßem Auge erscheint M31 als kleiner, diffuser Lichtfleck. Ein Fernglas zeigt bereits eine deutlich längliche Struktur.
Ein großes Teleskop ist übrigens nicht unbedingt die beste Wahl. Wegen ihrer enormen scheinbaren Ausdehnung wirkt Andromeda bei geringer Vergrößerung oder im Fernglas besonders eindrucksvoll.
⏳ Eine Zeitreise über 2,5 Millionen Jahre
Licht bewegt sich mit ungefähr 300.000 Kilometern pro Sekunde.
Trotz dieser gewaltigen Geschwindigkeit benötigt es rund 2,5 Millionen Jahre, um die Strecke von Andromeda bis zur Erde zurückzulegen.
Als das Licht, das wir heute sehen, seine Reise begann, lebten auf der Erde frühe Vertreter der Gattung Homo. Moderne Menschen existierten noch nicht.
Wenn wir heute Andromeda beobachten, sehen wir deshalb tatsächlich ein Bild aus einer längst vergangenen Epoche.
Und noch etwas ist bemerkenswert: Andromeda gilt als das am weitesten entfernte Objekt, das unter guten Bedingungen regelmäßig mit bloßem Auge sichtbar ist.
🌠 Bewegen sich Andromeda und Milchstraße aufeinander zu?
Ja! Die beiden großen Galaxien nähern sich einander an.
Andromeda bewegt sich mit einer radialen Geschwindigkeit von ungefähr 110 Kilometern pro Sekunde auf unsere Milchstraße zu.
Lange ging man davon aus, dass beide Galaxien in etwa vier bis fünf Milliarden Jahren miteinander verschmelzen werden.
Neuere Untersuchungen zeigen allerdings, dass der genaue Verlauf noch unsicher ist. Auch die Schwerkraft anderer Galaxien, insbesondere der Großen Magellanschen Wolke und der Dreiecksgalaxie, beeinflusst die zukünftige Entwicklung.
Eine Verschmelzung ist also möglich, aber keineswegs so sicher, wie ältere Darstellungen vermuten ließen.
Und selbst wenn die Galaxien eines Tages zusammenstoßen, würden dabei wahrscheinlich nur sehr wenige Sterne direkt miteinander kollidieren. Die Abstände zwischen ihnen sind dafür schlicht zu groß.
📷 Andromeda fotografieren – auch für Einsteiger
Die Andromedagalaxie ist ein ausgezeichnetes Motiv für die Astrofotografie.
Schon mit einer Kamera, einem lichtstarken Objektiv und einem stabilen Stativ lassen sich erste Aufnahmen machen.
Besonders hilfreich ist eine motorisierte Nachführung, die die scheinbare Bewegung des Sternenhimmels ausgleicht.
Wer mehrere Einzelaufnahmen erstellt und diese anschließend am Computer kombiniert, kann erstaunlich viele Details sichtbar machen.
Auf solchen Fotografien treten die Spiralarme, Staubbänder und der helle Galaxienkern deutlich hervor.
💡 Astronomie-Wissen der Woche
Wie groß erscheint Andromeda eigentlich am Himmel?
Das ist eine echte Überraschung!
Die Andromedagalaxie besitzt am Himmel eine scheinbare Ausdehnung von ungefähr drei Grad.
Zum Vergleich: Der Vollmond hat einen scheinbaren Durchmesser von etwa einem halben Grad.

Schematischer Vergleich der scheinbaren Ausdehnung am Himmel, nicht der Helligkeit.
Andromeda ist also am Himmel ungefähr sechsmal so breit wie der Vollmond!
Warum erkennen wir sie trotzdem kaum?
Weil sich ihr Licht auf eine riesige Fläche verteilt. Mit bloßem Auge sehen wir normalerweise nur den hellsten zentralen Bereich der Galaxie.
Erst lang belichtete Fotografien zeigen ihre vollständige Ausdehnung.
🌠 Beobachtungstipp der Sternwarte Brachwitz
Für die kommenden Abende empfehle ich einen kleinen Ausflug unter den Sternenhimmel.
Am besten zwischen 20 und 23 Uhr, wenn es bereits richtig dunkel ist und Andromeda hoch am Himmel steht.
Sucht euch einen Platz möglichst weit entfernt von Straßenlaternen. Lasst eure Augen etwa 20 Minuten an die Dunkelheit gewöhnen und versucht anschließend, Kassiopeia und das Pegasusquadrat zu finden.
Ein Fernglas mit sieben- bis zehnfacher Vergrößerung ist für diese Beobachtung ideal.
Und wenn ihr den schwachen, länglichen Lichtfleck schließlich entdeckt, denkt daran:
Dieses Licht war bereits 2,5 Millionen Jahre unterwegs, bevor es eure Augen erreicht hat.
Ein faszinierender Gedanke – und ein wunderbarer Grund, sich in einer klaren Oktobernacht etwas Zeit für den Sternenhimmel zu nehmen.
Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen. 🔭
📸 Offizielle Bilder zum Herunterladen
- ESA/Hubble – Bildergalerie – hochauflösende Weltraumaufnahmen.
- NASA Hubble – Bildarchiv – wissenschaftliche Aufnahmen und Bildinformationen.
- NASA Astronomy Picture of the Day – astronomische Bilder mit Erklärungen und Quellenangaben.
Die zuvor erstellte 16:9-Illustration zur Andromedagalaxie gehört zu genau diesem Artikel. Sie zeigt M31, eine schematische Orientierungshilfe am Herbsthimmel und das Branding der Sternwarte Brachwitz.

