Astronomie der Woche: Die Orioniden 2026 – Sternschnuppen aus Halleys Komet

Ausgabe vom 18. Oktober 2026 | Sternwarte Brachwitz

In dieser Woche erwartet uns ein besonderes astronomisches Ereignis: In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 2026 erreichen die Orioniden ihren Höhepunkt. Dieser alljährliche Sternschnuppenstrom hat einen berühmten Ursprung: Seine Teilchen stammen vom legendären Halleyschen Kometen.

Obwohl dieser Komet erst im Jahr 2061 wieder in die Nähe der Sonne zurückkehren wird, können wir schon jetzt Spuren seiner früheren Besuche beobachten. Winzige Staubteilchen, die er vor langer Zeit im Weltraum zurückgelassen hat, treffen auf die Erdatmosphäre und erzeugen leuchtende Meteore.

Unter idealen Bedingungen sind rund 10 bis 20 Sternschnuppen pro Stunde möglich. Allerdings wird 2026 der zunehmende Mond die Beobachtung zunächst erschweren. Wer die richtige Uhrzeit wählt, hat trotzdem gute Chancen auf einige schöne Meteore. 

Links: Eine Orioniden-Sternschnuppe am Nachthimmel. Rechts: Der Kern des Halleyschen Kometen, aufgenommen von der europäischen Raumsonde Giotto im Jahr 1986.

☄️ Ein berühmter Komet hinterlässt seine Spuren

Der Ursprung der Orioniden ist der Halleyscher Komet, offiziell 1P/Halley.

Er benötigt ungefähr 76 Jahre für einen Umlauf um die Sonne. Zuletzt war er 1986 von der Erde aus zu beobachten. Seine nächste Wiederkehr wird für 2061 erwartet.

Wenn sich ein Komet der Sonne nähert, erwärmt sich seine Oberfläche. Gefrorene Stoffe gehen in den gasförmigen Zustand über und reißen Staubpartikel mit sich. Dadurch entstehen die charakteristische Koma und der Schweif eines Kometen.

Ein Teil des freigesetzten Materials bleibt entlang seiner Umlaufbahn verteilt.

Im Oktober kreuzt die Erde eine solche Staubregion des Halleyschen Kometen. Die winzigen Teilchen treffen mit enormer Geschwindigkeit auf unsere Atmosphäre und erzeugen die Orioniden.

Interessanterweise begegnet die Erde den Hinterlassenschaften dieses Kometen zweimal im Jahr. Im Mai entstehen daraus die Eta-Aquariiden, im Oktober die Orioniden. 

🌠 Warum sind die Orioniden besonders schnell?

Die Orioniden gehören zu den schnelleren bekannten Meteorströmen.

Ihre Teilchen treffen mit ungefähr 66 Kilometern pro Sekunde auf die Erdatmosphäre.

Das entspricht einer Geschwindigkeit von rund 238.000 Kilometern pro Stunde!

Zum Vergleich: Die Draconiden, die wir Anfang Oktober beobachten konnten, erreichen lediglich etwa 20 Kilometer pro Sekunde.

Durch ihre hohe Geschwindigkeit erzeugen die Orioniden häufig besonders eindrucksvolle Leuchtspuren.

Manchmal bleibt nach einer hellen Sternschnuppe sogar für einige Sekunden ein schwach leuchtender Streifen am Himmel zurück.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte nachleuchtende Meteorspur, die durch angeregte und ionisierte Bestandteile der Atmosphäre entsteht. 

⭐ Warum heißen sie Orioniden?

Der Name leitet sich vom bekannten Sternbild Orion ab.

Verlängert man die Bahnen der Sternschnuppen gedanklich rückwärts, scheinen sie aus einer gemeinsamen Himmelsregion zu kommen.

Dieser Punkt wird als Radiant bezeichnet.

Bei den Orioniden befindet sich der Radiant im nördlichen Bereich des Sternbildes Orion, unweit des auffälligen rötlichen Sterns Beteigeuze.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Sternschnuppen tatsächlich aus diesem Sternbild stammen.

Die Sterne des Orion sind viele Lichtjahre entfernt. Die Meteore dagegen entstehen bereits in ungefähr 80 bis 120 Kilometern Höhe über der Erde.

Der gemeinsame Ursprungspunkt ist lediglich ein Perspektiveffekt.

Ähnlich wie parallele Eisenbahnschienen in der Ferne scheinbar zusammenlaufen, erscheinen auch die Flugbahnen der Meteore auf einen gemeinsamen Punkt ausgerichtet.

🌙 Die Beobachtungsbedingungen im Oktober 2026

In diesem Jahr gibt es bei den Orioniden eine Besonderheit: Der Mond wird zum entscheidenden Faktor.

Am 18. Oktober ist zunehmender Halbmond. Bis zum Maximum der Orioniden hat seine beleuchtete Fläche bereits deutlich zugenommen.

In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober ist der Mond ungefähr zu 80 Prozent beleuchtet.

Sein Licht hellt den Himmel auf und überstrahlt viele schwächere Meteore.

Die gute Nachricht: In Mitteldeutschland geht der Mond in dieser Nacht ungefähr gegen 3 Uhr MESZ unter.

Danach beginnt das günstigste Beobachtungsfenster.

Zwischen etwa 3:00 und 5:30 Uhr steht der Radiant bereits relativ hoch, während der Himmel wieder deutlich dunkler wird.

Wer die Orioniden 2026 möglichst gut beobachten möchte, sollte sich daher auf die zweite Nachthälfte konzentrieren. 

🔭 So beobachtest du die Orioniden von Brachwitz aus

Ein Teleskop ist für die Beobachtung nicht erforderlich. Im Gegenteil: Sein kleines Gesichtsfeld wäre sogar hinderlich.

Am besten sucht man sich einen möglichst dunklen Platz mit freiem Blick zum Himmel.

Für Brachwitz bieten sich grundsätzlich die ländlichen Bereiche außerhalb der hell beleuchteten Straßen an. Besonders wichtig ist, dass keine Straßenlaternen direkt in das Gesichtsfeld leuchten.

Das Sternbild Orion steht in der zweiten Nachthälfte gut sichtbar im südöstlichen bis südlichen Himmelsbereich.

Man muss jedoch nicht direkt auf Orion schauen. Sternschnuppen können über den gesamten Himmel ziehen. Besonders lange Leuchtspuren sieht man häufig in größerem Abstand zum Radianten.

Eine Liege, warme Kleidung und eine Decke sind im Oktober fast wichtiger als jede astronomische Ausrüstung.

Die Augen benötigen ungefähr 20 bis 30 Minuten, um sich vollständig an die Dunkelheit anzupassen.

Danach heißt es: Geduld haben und den Himmel beobachten.

🚀 Halleys Komet – ein Meilenstein der Raumfahrt

Als der Halleysche Komet 1986 das innere Sonnensystem durchquerte, nutzten mehrere Raumfahrtagenturen diese seltene Gelegenheit.

Besonders bekannt wurde die europäische Raumsonde Giotto.

Sie flog im März 1986 dicht am Kometenkern vorbei und lieferte erstmals detaillierte Aufnahmen seiner Oberfläche.

Die Wissenschaftler entdeckten einen überraschend dunklen, unregelmäßig geformten Körper mit einer Länge von ungefähr 15 Kilometern.

Von seiner Oberfläche schossen Gas- und Staubfontänen ins All.

Diese Beobachtungen veränderten unser Verständnis von Kometen grundlegend. Sie zeigten, dass Kometen keine einfachen Schneebälle sind, sondern komplexe Körper aus Eis, Staub und Gestein.

Und genau von einem solchen Himmelskörper stammen die winzigen Teilchen, die wir in dieser Woche als Sternschnuppen beobachten können. 

💡 Wissen der Woche: Wie alt sind die Sternschnuppen eigentlich?

Die Orioniden bieten eine faszinierende Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Staubteilchen, die heute auf unsere Atmosphäre treffen, müssen nicht von Halleys letztem Besuch im Jahr 1986 stammen.

Viele dieser Partikel wurden bereits vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden freigesetzt.

Seitdem bewegen sie sich auf eigenen Bahnen um die Sonne.

Erst wenn ihre Flugbahn die Erde kreuzt, endet ihre lange Reise in einem kurzen Lichtblitz.

Eine Sternschnuppe kann also nur einen Sekundenbruchteil sichtbar sein – und trotzdem auf eine jahrtausendelange Reise durch unser Sonnensystem zurückblicken.

🌌 Beobachtungstipp der Sternwarte Brachwitz

Für die kommende Woche empfehle ich besonders die Nacht von Mittwoch, 21. Oktober, auf Donnerstag, 22. Oktober 2026.

Wer früh aufstehen kann, sollte sich ungefähr ab 3 Uhr einen dunklen Beobachtungsplatz suchen.

Unter idealen Bedingungen erreichen die Orioniden eine theoretische Rate von etwa 20 Meteoren pro Stunde. Tatsächlich sichtbare Zahlen können wegen der Radiantenhöhe, der Himmelsaufhellung und anderer Bedingungen deutlich darunter liegen.

Eine Garantie für viele Sternschnuppen gibt es nicht. Doch bereits eine einzelne helle Orionide kann den Ausflug lohnenswert machen.

Und wenn ihr eine solche Sternschnuppe entdeckt, denkt daran:

Ihr beobachtet gerade ein winziges Stück des berühmtesten Kometen der Menschheitsgeschichte.

Der Komet selbst wird erst 2061 wiederkehren. Seine Spuren begleiten uns jedoch schon heute.

Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen. 🔭🌌

Weiterführende Informationen und Beobachtungshinweise bieten die NASA-Übersicht zu den Orioniden⁠ und der Meteorstrom-Kalender der American Meteor Society⁠.