
Ein besonderes Himmelsschauspiel am 28. Oktober 2026
In der kommenden Woche lohnt es sich, mitten in der Nacht einen Blick zum Sternenhimmel zu werfen. Denn in den frühen Morgenstunden des 28. Oktober zieht unser Mond vor einem der bekanntesten Sternhaufen des Himmels vorbei: den Plejaden.
Dabei kommt es zu einer sogenannten Sternbedeckung. Mehrere Sterne verschwinden für kurze Zeit hinter der Mondscheibe und tauchen später wieder auf.
Das Ereignis lässt sich auch von Mitteldeutschland aus verfolgen. Besonders spannend ist dabei, dass wir die Bewegung unseres Mondes vor dem weit entfernten Sternenhintergrund praktisch live beobachten können.
Die sieben Schwestern am Herbsthimmel
Die Plejaden gehören zu den schönsten und bekanntesten Sternhaufen unseres Nachthimmels.
Sie befinden sich im Sternbild Stier und werden häufig auch als Siebengestirn oder „Sieben Schwestern“ bezeichnet.
Schon mit bloßem Auge erkennt man eine kleine Ansammlung heller Sterne, die entfernt an einen winzigen Wagen erinnert.
Bei guten Sichtbedingungen lassen sich gewöhnlich sechs bis sieben Sterne unterscheiden. Menschen mit besonders guten Augen können unter einem dunklen Himmel sogar noch mehr erkennen.
Doch dieser kleine Lichtfleck täuscht über seine wahre Größe hinweg.
Die Plejaden sind ein sogenannter offener Sternhaufen und bestehen aus mehr als tausend Sternen, die vor ungefähr 100 Millionen Jahren aus einer gemeinsamen Gas- und Staubwolke entstanden sind.
Ihre Entfernung zur Erde beträgt rund 440 Lichtjahre.
Damit sehen wir die Sterne heute so, wie sie vor etwa 440 Jahren ausgesehen haben.
Warum leuchten die Plejaden so auffällig blau?
Auf lang belichteten Fotografien erscheinen die Plejaden in einem wunderschönen bläulichen Nebel.
Die hellsten Sterne des Haufens sind besonders heiß und strahlen deshalb intensiv im blauen Bereich des sichtbaren Lichts.
Das Licht dieser Sterne wird an feinen Staubteilchen in ihrer Umgebung gestreut.
Dadurch entstehen sogenannte Reflexionsnebel.
Interessanterweise handelt es sich bei dem sichtbaren Staub vermutlich nicht um Überreste der ursprünglichen Entstehungswolke des Sternhaufens.
Vielmehr bewegen sich die Plejaden gerade durch eine andere interstellare Staubregion.
Die Sterne beleuchten diesen Staub ähnlich wie Autoscheinwerfer eine Nebelbank.
Was auf astronomischen Fotografien wie eine leuchtende Wolke aussieht, ist also hauptsächlich reflektiertes Sternenlicht.
Wenn der Mond Sterne verschwinden lässt
In der Nacht vom Dienstag, 27. Oktober, auf Mittwoch, 28. Oktober 2026, kommt es zu einer besonders interessanten Begegnung.
Der fast vollständig beleuchtete Mond bewegt sich durch die Himmelsregion der Plejaden.
Dabei werden von Mitteleuropa aus mehrere Sterne des Sternhaufens vorübergehend durch den Mond verdeckt.
Astronomen sprechen von einer Okkultation oder Sternbedeckung.
Das Prinzip ist einfach: Der Mond befindet sich nur rund 380.000 Kilometer von uns entfernt. Die Plejaden dagegen sind etwa 440 Lichtjahre weit weg.
Wenn der Mond aus unserer Perspektive vor einem Stern vorbeizieht, verdeckt er dessen Licht vollständig.
Besonders faszinierend ist, wie plötzlich das geschieht.
Da der Mond praktisch keine Atmosphäre besitzt, verschwinden Sterne an seinem Rand normalerweise schlagartig.
Sie werden nicht langsam dunkler, sondern sind innerhalb eines Augenblicks verschwunden.
Einige Zeit später tauchen sie am gegenüberliegenden Mondrand wieder auf.
Warum bewegt sich der Mond so schnell?
Wer den Mond über mehrere Stunden beobachtet, erkennt seine Bewegung gegenüber den Sternen deutlich.
Unser Erdtrabant benötigt ungefähr 27,3 Tage für einen vollständigen Umlauf gegenüber dem Sternenhintergrund.
Dabei legt er am Himmel durchschnittlich rund 13 Grad pro Tag zurück.
Das entspricht ungefähr einem halben Grad pro Stunde – also etwa dem scheinbaren Durchmesser der Mondscheibe.
Innerhalb einer einzigen Stunde bewegt sich der Mond somit ungefähr um seine eigene Breite weiter.
Diese Bewegung ist normalerweise kaum zu bemerken.
Bei einer Sternbedeckung wird sie jedoch besonders eindrucksvoll sichtbar.
Beobachtung von Brachwitz aus
Für die Region Brachwitz und den Saalekreis bietet sich die Nacht vom 27. auf den 28. Oktober an.
Besonders interessant ist der Zeitraum zwischen ungefähr 1:30 und 4:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit.
Die einzelnen Sterne werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten bedeckt. Die exakten Zeiten können sich je nach Standort unterscheiden.
Der Mond befindet sich dann hoch am Himmel in der Region des Sternbildes Stier.
Ein kleines Teleskop ist für diese Beobachtung besonders hilfreich.
Auch mit einem guten Fernglas lässt sich die enge Begegnung verfolgen.
Allerdings gibt es eine Schwierigkeit: Am 26. Oktober ist Vollmond. In der Beobachtungsnacht ist die Mondscheibe deshalb noch ungefähr zu 95 Prozent beleuchtet.
Das helle Mondlicht überstrahlt viele schwächere Sterne der Plejaden.
Mit einem Teleskop und geeigneter Vergrößerung lassen sich die helleren Sterne dennoch gut verfolgen.
Wer die Sternbedeckung fotografieren möchte, sollte eine Kamera mit Teleobjektiv oder ein Teleskop mit Kameraanschluss verwenden.
Kurze Belichtungszeiten helfen dabei, die helle Mondoberfläche nicht zu überbelichten.
Warum solche Bedeckungen wissenschaftlich interessant sind
Sternbedeckungen gehören zu den ältesten astronomischen Beobachtungsmethoden.
Schon vor Jahrhunderten nutzten Astronomen solche Ereignisse, um die Bewegung des Mondes genauer zu untersuchen.
Auch heute sind präzise Zeitmessungen interessant.
Wenn mehrere Beobachter von unterschiedlichen Standorten aus festhalten, wann ein Stern verschwindet und wieder auftaucht, lassen sich daraus Informationen über die scheinbare Mondposition und den Verlauf seines Randes gewinnen.
Der Mondrand ist nämlich keineswegs vollkommen glatt.
Gebirge, Täler und Kraterränder sorgen dafür, dass Sterne an verschiedenen Stellen unterschiedlich lange sichtbar bleiben können.
Besonders genaue Messungen können deshalb sogar Hinweise auf die Topografie des Mondrandes liefern.
Wissen der Woche: Warum heißen die Plejaden eigentlich Siebengestirn?
Die Bezeichnung stammt aus einer langen kulturellen Tradition.
Schon in der griechischen Mythologie spielten die Plejaden eine wichtige Rolle.
Der Überlieferung zufolge waren sie die sieben Töchter des Titanen Atlas und der Pleione.
Ihre Namen lauten Alkyone, Asterope, Elektra, Kelaino, Maia, Merope und Taygete.
Auch in vielen anderen Kulturen war dieser auffällige Sternhaufen bekannt.
Besonders spannend ist die Vermutung, dass die Plejaden bereits auf der berühmten Himmelsscheibe von Nebra dargestellt wurden.
Eine kleine Gruppe goldener Punkte könnte das Siebengestirn symbolisieren.
Diese Interpretation ist weit verbreitet, lässt sich allerdings nicht mit letzter Sicherheit beweisen.
Sollte sie zutreffen, wäre das ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie wichtig dieser Sternhaufen schon vor Jahrtausenden für die Menschen war.
Beobachtungstipp der Sternwarte Brachwitz
Wer in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober wach ist, sollte sich die Begegnung zwischen Mond und Plejaden nicht entgehen lassen.
Mit einem kleinen Teleskop kann man verfolgen, wie die Sterne nach und nach am Mondrand verschwinden und später wieder auftauchen.
Besonders reizvoll ist es, die Bewegung in regelmäßigen Abständen zu fotografieren.
So entsteht eine kleine Bildserie, die zeigt, wie sich unser Mond vor dem weit entfernten Sternenhintergrund bewegt.
Und dabei sollte man sich eines bewusst machen:
Während der Mond nur wenige Hunderttausend Kilometer entfernt ist, erreicht uns das Licht der Plejaden nach einer Reise von rund 440 Jahren.
Zwei völlig unterschiedliche Entfernungen treffen in unserem Blickfeld aufeinander.
Genau solche Momente machen die Astronomie so faszinierend.
Sternwarte Brachwitz – den Himmel verstehen.

